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MindContent · Frei · ADHS im Erwachsenenalter

Viel vorhaben – und schwer ins Tun kommen

ADHS kann Aufmerksamkeit, Organisation und Impulssteuerung belasten – passende Unterstützung erleichtert den Alltag

Die Aufgabe ist wichtig, der Plan steht. Trotzdem gelingt der Anfang nicht. Termine geraten durcheinander, Dinge werden verlegt, Gespräche vorschnell unterbrochen. Bei Erwachsenen mit ADHS können solche Schwierigkeiten den Alltag dauerhaft belasten. Andere fallen vor allem durch innere Unruhe auf, die nach außen kaum sichtbar ist.

Eine Besonderheit der Entwicklung

Die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, gehört zu den Störungen der neuronalen Entwicklung. Die Beschwerden beginnen in der Kindheit, können aber bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.

Manche Menschen erhalten ihre Diagnose erst spät. Frühere Schwierigkeiten wurden möglicherweise anders erklärt oder durch Unterstützung und feste Strukturen aufgefangen. Wenn Anforderungen steigen, können die Probleme deutlicher werden.

Eine späte Diagnose bedeutet deshalb nicht, dass ADHS erst im Erwachsenenalter entstanden ist.

Aufmerksamkeit und Impulssteuerung

ADHS kann es erschweren, die Aufmerksamkeit über längere Zeit zu steuern, Aufgaben zu organisieren und Ablenkungen auszublenden. Betroffene vergessen beispielsweise Verabredungen, beginnen vieles gleichzeitig oder haben Schwierigkeiten, Vorhaben abzuschließen.

Hyperaktivität zeigt sich bei Erwachsenen nicht immer als sichtbare Bewegungsunruhe. Auch ein Gefühl des Getriebenseins oder Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen, können dazugehören.

Impulsivität kann sich darin äußern, dass jemand andere häufig unterbricht, ungeduldig reagiert oder Entscheidungen trifft, ohne Folgen ausreichend abzuwägen. Nicht bei allen Menschen sind diese Merkmale gleich stark ausgeprägt.

Gelegentliche Unkonzentriertheit reicht nicht aus

Viele Menschen kennen Ablenkbarkeit und Aufschieben. Auch Schlafmangel, Stress, Depressionen oder andere Erkrankungen können Konzentration und Organisation beeinträchtigen.

Für eine ADHS-Diagnose müssen Beschwerden seit der Entwicklung bestehen, in mehreren Lebensbereichen auftreten und erhebliche Schwierigkeiten verursachen. Ein Online-Fragebogen allein kann das nicht feststellen.

Zur Abklärung gehören ausführliche Gespräche über die aktuelle Situation und die Kindheit. Frühere Zeugnisse oder Angaben von Bezugspersonen können dabei helfen. Außerdem werden andere mögliche Erklärungen geprüft.

Behandlung orientiert sich am Alltag

Welche Unterstützung sinnvoll ist, hängt von den individuellen Schwierigkeiten ab. Informationen über ADHS, Psychotherapie und gegebenenfalls Medikamente können miteinander verbunden werden.

In einer Verhaltenstherapie lassen sich beispielsweise Strategien für Planung, Zeitmanagement und den Umgang mit Ablenkung entwickeln. Medikamente können Beschwerden verringern; Wirkung und mögliche Nebenwirkungen werden ärztlich überprüft.

Auch überschaubare Arbeitsschritte, Erinnerungen und feste Abläufe können entlasten. Solche Hilfen sollten zur Person und ihren Lebensbedingungen passen. Weitere Beschwerden, etwa Depressionen oder Angst, werden bei Bedarf mitbehandelt.

Angehörige können mit klaren Absprachen entlasten

Gemeinsame Absprachen können helfen, wiederkehrende Konflikte zu verringern. Hilfreich sind konkrete Vereinbarungen und Unterstützung, die die betroffene Person selbst möchte. Angehörige müssen nicht dauerhaft jede Aufgabe übernehmen. Auch ihre Bedürfnisse und Belastungen gehören in das Gespräch.

Ein erster Zugang

Eine fachärztliche oder psychotherapeutische Praxis mit Erfahrung in ADHS bei Erwachsenen kann die Beschwerden abklären. Die Hausarztpraxis kann bei der Suche unterstützen.

Eine Diagnose kann helfen, langjährige Schwierigkeiten besser zu verstehen. Sie soll zugleich den Weg zu konkreter Unterstützung eröffnen, damit Arbeit, Beziehungen und die Organisation des Alltags weniger Kraft kosten.

Martin Joachim | MindContent.de

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