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Leseprobe · Aus einem bislang unveröffentlichten Themenangebot

Brücke zur neuen Heimat

Wie der Arbeitsplatz Zugehörigkeit schafft und berufliche Identität neu verankert

Ein dunkelroter Holzbaustein erhält in einer neuen olivfarbenen Konstruktion einen tragenden Platz.

Vertraute Kompetenz verliert ihre Sichtbarkeit

Psychische Belastung entsteht nicht nur aus dramatischen Ereignissen. Auch der Verlust alltäglicher Selbstverständlichkeit kann anstrengend sein. Wer Sprache, Institutionen und gesellschaftliche Regeln kennt, bewältigt vieles, ohne bewusst darüber nachzudenken. In einer neuen Umgebung werden einfache Handlungen wieder erklärungsbedürftig: ein Behördengang, ein Arzttermin, ein Gespräch mit der Schule oder die Bewerbung um eine Arbeitsstelle.

Die Psychologie bezeichnet die Überzeugung, schwierige Situationen mit den eigenen Fähigkeiten oder verfügbaren Mitteln bewältigen zu können, als Selbstwirksamkeit. Eine Studie mit 330 syrischen Geflüchteten in Griechenland und den Niederlanden untersuchte Zusammenhänge zwischen psychologischen Ressourcen, wahrgenommenen beruflichen Barrieren, Anpassungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit bei der Arbeitssuche. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf alle Zugewanderten übertragen. Sie verdeutlichen aber, dass berufliche Handlungsfähigkeit nicht allein von formaler Qualifikation abhängt.

Ein erfahrener Handwerker verliert sein Können nicht, weil ihm deutsche Fachbegriffe fehlen. Eine Lehrerin verliert ihre pädagogische Erfahrung nicht, weil ihr Abschluss noch nicht anerkannt wurde. Dennoch können Sprache, rechtliche Vorschriften oder fehlende Dokumente verhindern, dass diese Kompetenzen sichtbar und beruflich wirksam werden.

Der Eindruck, wieder ganz am Anfang zu stehen, beschreibt deshalb nicht immer einen tatsächlichen Mangel an Fähigkeiten. Er kann aus einer Umgebung entstehen, in der bisherige Erfahrung nicht ohne Weiteres verstanden und anerkannt wird.

[Die weiteren Kapitel des Hintergrundberichts sind in dieser Leseprobe nicht enthalten.]